Datum: 23.07.2016
Wer war dabei: Kathi, Sebi
Gipfel/Berggruppe: Tällistock(2060 mNN)/Urner Alpen
Name der Tour: Täl­li­stock Süd­wand-Inwy­ler/­Biel­mei­er
Art der Tour: Alpinklettern/Alpiner Klassiker
Erst­be­ge­hung: Sepp Inwy­ler und A. Biel­mei­er 1960
Facts: Ca. 450 m Wand­hö­he, ca. 550m Klet­ter­län­ge, +/-14 SL, immer wie­der 5 und 6, Stel­len 7-(?) oder A0
Zustieg zur Täl­li­hüt­te 1h per pedes oder Zufahrt per Selbst­be­die­nungs­bahn (7:00 –19:30)
Von der Täl­li­hüt­te über stei­les Gras, drei Wand­stu­fen und Ver­hau bis zum Sand­uhr­sch­lin­gerl unter der gro­ßen Ver­schnei­dung (mind. 1 h…)
Abstieg anfangs sehr über­schau­bar mar­kiert mit Stein­män­nern, dann per Spür­na­se durch die stei­le Schutt­gras­fels­rin­ne abkra­xeln, absei­len, abfretten
Nach die­ser erst rechts­hal­tend über Schutt, dann an einem Vor­sprung vor­bei nach links und tal­wärts run­ter bis man auf einen sou­ve­rä­nen Weg trifft
Absi­che­rung wechselhaft
Muni­rin­ge an den Stän­den, diver­se Bolts zwi­schen­drin und man­cher­lei Schlag­ha­ken unter­schied­li­cher Güte,in der Regel genug
Teil­wei­se kann und soll­te nach Gus­to ergänzt werden
Dafür soll­te man das übli­che Sor­ti­ment Kei­le, Cams sowie aus­rei­chend Schlin­gen, auch zum Ver­län­gern, mitnehmen
Manch­mal ist auch beherz­tes Wei­ter­stei­gen geboten.

Täl­li­stock Süd­wand –Inwyler/Bielmeier Wil­de Mischung mittendrin

Das Wet­ter mach­te mal wie­der so Sachen und die Urlaubs­ta­ge wur­den auch nicht mehr. So ver­tag­ten wir die grö­ße­ren­Vor­ha­ben und fuh­ren von der Dau­phi­né schon mal Rich­tung Heimat.
Ziem­lich in der Mit­te des Wegs liegt die Schweiz, in der Mit­te von der Schweiz liegt die Zen­tral­schweiz (die heißt ja nicht von Unge­fähr auch so) und da mit­ten­drin liegt der Sus­ten­pass. Fast jeden­falls. Dort ist man also ein­fach mit­ten­drin. Mit­ten­drin ist voll dabei und sowas ist immer gut. Außer­dem ist es dann nicht mehr so weit nach Hau­se und es wird, zwi­schen­zeit­lich aus­ge­go­ckelt, pass­ge­nau dort in der Mit­te auch ein Schön­wet­ter­fens­ter ange­kün­digt. Der Plan steht also.
Einen ver­schau­er­ten Anrei­se­nach­mit­tag und vor allem Abend ver­brin­gen wir schon mal in der Nähe der Mit­te, bes­tens ver­sorgt bei einem alten Kum­pel, wel­cher den unver­hoff­ten Besuch unter inten­si­ver Rück­spra­che mit sei­nem Wein­kel­ler will­kom­men hieß. Der dar­auf fol­gen­de Tag mit blei­er­ner Bewöl­kung und eben­sol­cher Alko­hol­bir­ne wird ver­früh­stückt und ver­san­delt. Die dar­auf fol­gen­de nas­se Nacht bie­tet bei Gad­men unter dem Sus­ten­pass ein ebe­nes Plätz­chen im tro­cke­nen VW-Bus. Der welt­wei­te Wet­ter­frosch ver­kün­det jedoch Hoff­nung auf Besserung.Wir glau­ben ihm und stel­len den Wecker.

Him­mels­brand

Am nächs­ten Mor­gen sieht es jeden­falls ganz fein aus, der Tag begrüßt uns mit Brand am Him­mel. Wir rol­len nach kur­zem Kaf­fee auf den unmit­tel­bar gegen­über lie­gen­den, offi­zi­el­len Park­platz. Von dort könn­te man eigent­lich gleich los­lau­fen. Aber von dort fährt auch die Täl­li­bahn zur Täl­li­hüt­te und das schon ab 7:00 mor­gens. Die 6.-SFr für die ein­fa­che Fahrt sind es mehr als wert, die, respek­ti­ve mei­ne, alten Kno­chen zu scho­nen. Für den Fahr­schein­au­to­ma­ten soll­te man aller­dings eid­ge­nös­si­sche Wäh­rung in ange­mes­se­ner Stü­cke­lung parat hal­ten. Unge­ach­tet der ortho­pä­di­schen­Vor­zü­ge einer sol­chen maschi­nel­len Auf­stiegs­hil­fe wer­den wir trotz ein­stün­di­ger Zustiegs­weg­stre­cken­er­spar­nis in der Fol­ge auch so nass genug. Denn es blei­ben durch­aus ein paar stei­le Höhen­me­ter zum Auf­wär­men übrig. 

No Tali­ban in Tällibahn

Eines vor­ab zu die­sem Zustieg: da wür­de ich mal ger­ne sehen, wer die­sen in den vie­ler­lei aus­ge­lob­ten 45 Minu­ten von der Hüt­te weg bis zum Ein­stieg so locker­flo­ckig schafft. Zumin­dest ohne detail­lier­te Orts­kennt­nis und Lebens­ver­ach­tung. Und natür­lich ohne Pfer­de­lun­ge. Nor­mal­sterb­li­che soll­ten mal mit dem Dop­pel­ten pla­nen und sind dann, falls es bes­ser läuft, halt posi­tiv über­rascht.

Grü­nes Licht für den Zustieg

Ziem­lich bald nach der Hüt­te zweigt man vom alt­ehr­wür­di­gen Weg nach links ins stei­le Gras ab. Deut­li­che Pfad­spu­ren sucht man ver­ge­bens, aber es ist eigent­lich klar, wenn man sich an einer etwas ober­halb zu erken­nen­den, schott­ri­gen Rin­ne ori­en­tiert, die es zu errei­chen gilt. Denn in die­ser schott-und schutt­ri­gen Rin­ne gibt es halt nicht nur Gras, son­dern auch ab und zu einen Fels­block zum Drauf­stei­gen, was einem ein Gefühl der Ver­läss­lich­keit ver­mit­teln kann. Bei uns jeden­falls war durch den nächt­li­chen Dau­er­re­gen der Bewuchs nicht nur präch­tig grün und in vol­lem Saft, son­dern vor allem trie­fend nass. So waren nach kur­zer Zeit erst das T‑Shirt von innen, dann die Schu­he von außen und unmit­tel­bar anschlie­ßen­dauch die Füße (innen) durchweicht.Und der baye­ri­sche Fuß reicht min­des­tens schon mal bis zum Knie. Ist das erle­digt, braucht man sich dar­um nicht mehr zu küm­mern, denn nas­ser als nass geht nicht.
Erreicht man dann den ers­ten Fels­rie­gel, kra­xelt man die­sen an sei­ner eher lin­ken Sei­te hoch. Wursch­telt sich danach wei­ter zum zwei­ten Fels­rie­gel, quert nach rechts und über­kra­xelt die­sen an sei­ner logi­schen Schwach­stel­le bzw. ent­lang eines Fix­seils, das hof­fent­lich nicht, wie bei uns, schlei­mig­schmie­rig, son­dern tro­cken­sprö­de ist. Neu­er wird es wohl auf kei­nen Fall. Aber ein Seil hält ja ewig, zumin­dest bis es bricht. Nun quert man wei­ter nach rechts und über­win­det ‑glück­li­cher­wei­se wie­der mit einem Fix­seil, eben­falls nicht tau­frisch ‑den­drit­ten Fels­rie­gel, sodass man end­lich auf dem Band steht, das den Wand­fuß mar­kiert. Der Ein­stieg ist da, wo man ihn schon von unten erspech­ten kann, lan­ge suchen müs­sen wir nicht.

Auf­takt­län­ge

In der ers­ten Seil­län­ge geht es so zur Sache, wie man es gemein­hin im alpi­nen Gelän­de erwar­tet. Man fin­det Grif­fe, die nicht am Platz blei­ben, wenn man sie ent­spre­chend unan­ge­passt beläs­ti­gen wür­de, und wer par­tout kei­nen Fels mag, hat auch aus­rei­chend Gras­bü­schel zur Aus­wahl. Die Beha­kung ist schüt­ter, dabei ros­tig-tra­di­tio­nell und so rich­tig in Fahrt kommt man ein­fach noch nicht. Dafür ist es nicht schwer. Und etwas feucht auch noch. Aber das wird sicher noch bes­ser, denn die Son­ne tut das, was sie wie ange­kün­digt tun soll, näm­lich schei­nen, was das Zeug hält.

Auf­wärm­län­ge

Zudem geht es jetzt stei­ler und fes­ter und mit mehr Ein­satz wei­ter, wir lau­fen uns warm. Das ist gut so, denn gleich gibt es den ers­ten Quer­gang, der höchst foto­gen und noch dazu schön zu klet­tern nach links führt.

Foto­län­ge

Dort ange­kom­men, geht es einen Ver­schnei­dungs­riss kräf­tig hin­auf unter ein Dach, wo man, weil es gera­de­aus nicht mehr sinn­voll wei­ter­geht, sich nach rechts her­aus­han­geln darf. Je nach­dem, wie man sich an-oder hin­stellt, eine noch kräf­ti­ge­re Ange­le­gen­heit. Aber es gibt woh­li­ge Haken, ist auch gleich vor­bei und schon geht es mit der nor­ma­len Takt­zahl weiter. 

Sinn­su­che

Mitt­ler­wei­le nebelt und wölkt es uns immer wie­der ein, trotz Süd­wand wird es wahr­lich kei­ne Hit­ze­schlacht. Weil das hier in der Gegend öfters vor­kommt, hat es auch einen Namen und heißt Wen­den­ne­bel. Das mag im Som­mer durch­aus auch mal posi­tiv sein, beschleu­nigt aber lei­der nicht das Abtrock­nen des Fel­ses, auf das wir eigent­lich gehofft hat­ten. Es ist zwar nicht nass, aber man hat immer ein biss­chen ein schmie­ri­ges Gefühl auf dem dor­ti­gen Kalk, der wohl (mit scharf prü­fen­dem Geo­lo­gen­blick erahnt) von Natur aus etwas ton­hal­tig ist.

Pracht­riss

Viel den­ken wir dar­über nicht nach, sonst kom­men wir nicht wei­ter und freu­en uns lie­ber über den nächs­ten Riss, der in präch­ti­ger Klet­te­rei nach oben führt. Ab und zu kann man auch einen Cam los­wer­den. Und wenn man so schön in Fahrt ist, wird bei Brems­schwie­rig­kei­ten, wie sie Kathi ger­ne mal zeigt, gleich die nächs­te Län­ge ange­hängt. Wobei das mit den Seil­län­gen­län­gen eine etwas undurch­schau­ba­re Sache ist. Wenn man über­all da, wo ein Muni­ring ist, Stand macht, ist manch­mal viel zu schnell Schluss und man hat furcht­bar viel Seil ein­zu­zie­hen. Manch­mal gibt es aber bis zum nächs­ten Ring auch veri­ta­ble Län­gen, die wenig Ver­län­ge­rung ver­tra­gen. Was man sinn­voll zusam­men­hängt, muss man irgend­wie erschme­cken. Die ver­füg­ba­ren Topos bie­ten einem da nicht viel Hil­fe­stel­lung, am bes­ten ver­traut man sei­nem Gefühl.
So mache ich das auch gleich bei der nächs­ten, die zunächst etwas belang­los vor sich hin düm­pelt. Da die­se all­zu­bald zu Ende wäre und ich mir Inter­es­san­te­res vor­stel­le, hän­ge ich gleich den anschlie­ßen­den, in der Alpin­li­te­ra­tur besun­ge­nen und somit berühmt­be­rüch­tig­ten Quer­gang an. Aus Seil­zug­grün­den war die­se Mons­ter­län­ge zuge­ge­be­ner­ma­ßen viel­leicht nicht ganz die opti­ma­le Tak­tik. Aber manch­mal muss man ein­fach posi­tiv an eine Sache her­an­ge­hen. Und wenn es am Schluss etwas zwickt, ist man sel­ber dran Schuld und hat zumin­dest das erha­be­ne Gefühl, sich etwas rich­tig erar­bei­tet zu haben.

Kathi, Joker und der Quergang

Gnä­dig brei­tet der Wol­ken­ne­bel den Man­tel des Ver­ges­sens über die viel­be­schrie­be­ne Aus­ge­setzt­heit die­ses Quer­gangs. Mag sein, dass der Tief­blick Man­chem bei kla­rer Sicht etwas mehr Adre­na­lin beschert, aber die reich­li­che Bebol­tung und das­zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen doch eher mäßig schwe­re Gelän­de, las­sen sicher auch dann kei­nen Stress auf­kom­men. Erst am Schluss zum Stand hin darf man noch­mal kurz beherzt zupa­cken. Aber einen obe­ren Sech­ser muss­te ich mir andern­orts schon öfters här­ter erkämp­fen. Selbst mit dem oben schon ange­deu­te­ten Erschwer­nis eines mör­der­mä­ßi­gen Seilzugs.

Kathi freut sich über mei­ne Arbeit

Was nun folgt, ist ein­deu­tig die Seil­län­ge mit den tech­nisch schwers­ten Klet­ter­stel­len. Also eben­so ein­deu­tig etwas für den Nach­wuchs. Direkt vom Stand weg in fili­gra­ner Ste­he­rei, fin­ger­kraft for­dernd und durch­aus trick­reich erst etwas nach oben und dann nach links. Zum Durch­at­men wird es gering­fü­gig zugäng­li­cher, wei­ter schräg anstei­gend in Rich­tung auf einen gelb­li­chen Aus­bruch. Seit die­ser Aus­bruch, d.h. die Urfüh­re aus­brach, gibt es hier nun zwei Vari­an­ten. Wir, bzw. zunächst Kathi und ich dann zwangs­läu­fig dem Seil fol­gend, neh­men die rech­te, gerüch­te­hal­ber ein­fa­che­re Vari­an­te zum Stand, der gleich dar­auf rechts oben war­tet. Kathi lässt sich nicht lum­pen und zieht durch. Ich war hier defi­ni­tiv mit mei­nem frei­en Latein am Ende, wobei ich ehr­lich gesagt auch nicht lan­ge rum­pro­biert habe. Die enge Bebol­tung in Arm­län­gen­wei­te deu­tet dar­auf hin, dass es dem Ein­boh­rer even­tu­ell ähn­lich ging. Seich­te Pat­schauf­le­ger und undeut­li­ches Geste­he erfor­dern mehr Ein­satz, als ich bereit bzw. in der Lage war zu geben. Seis drum.

fili­gra­nes Gestehe

Es folgt wie­der eine Ver­schnei­dung, da kann man sich fest­hal­ten und ver­klem­men, das liegt mir mehr. Viel steckt nicht und gera­de oben, wo es kurz unan­ge­nehm wird, kann man auch nicht viel sel­ber machen. Außer viel­leicht, man schleppt einen 6er Cam durch die Wand. In Erman­ge­lung des­sen erin­ne­re ich mich an die bewähr­te Sach­sen­mei­nung, dass man aus einem Riss nicht her­aus­fal­len kön­ne. Dem­entspre­chend beru­higt, klet­te­re ich froh­ge­mut dar­über hin­weg und bald war­tet der nächs­te Muni­ring mit beque­mem Sitz­platz auf mich.

Klemm­fest

Auf einem brei­ten Band spa­zie­ren wir nun nach links, wo es auch wei­ter­hin eher gemüt­lich über eine Rip­pe und präch­ti­ge Was­ser­ril­len nach oben zum nächs­ten Stand geht.
Davon darf man sich nicht zu sehr ein­lul­len las­sen, denn jetzt wird es doch noch­mal etwas grim­mi­ger. Klöt­ze­lig, bau­kas­ten­ar­tig anmu­ten­der Fels will nun sub­til erklet­tert wer­den. Bolts wür­den wohl zusam­men mit der nähe­ren Umge­bung gezupft wer­den und sind daher sin­ni­ger­wei­se nicht gesetzt. Dafür wird die Alt­ha­ken­ver­samm­lung, die man in einem feuch­ten Loch anfin­det, gera­de recht­zei­tig vor dem schwie­ri­gen Zug nach links in den Kamin­riss, kom­plett zusam­men­ge­bun­den, ver­hä­kelt und ver­län­gert. Immer­hin hält das Kon­strukt das Gewicht des ver­wen­de­ten Mate­ri­als, das ist bes­ser wie nichts. Der dar­auf­fol­gen­de Kamin erweist sich deut­lich zugäng­li­cher und macht sogar Freude.

Kamin­freud

Eine erst brö­se­lig­schrofi­ge, dann schlund­ar­ti­ge Seil­län­ge führt zwar ein­fach, aber unan­ge­nehm zum Schluss­ka­min, der dun­kel­grau­sig her­ab­blickt auf den, der her­auf­blickt. Nach unten sehen wir eh nichts mehr, denn mitt­ler­wei­le umhüllt uns dich­ter Nebel und der Fels nas­selt zuneh­mend. Son­ne gibt es also heu­te nicht mehr.

Auf­takt zum Schlussakkord

Der Abschluss­ka­min war dann eine Geschich­te für sich. So rich­tig hei­me­lig mutet er ja schon vom Stand weg nicht an, wie bereits kurz ange­deu­tet. Emp­find­sa­me Gemü­ter soll­ten dafür eine Tüte Angrif­fig­keit ein­pa­cken. Dass das Schwein aber durch die bei uns herr­schen­de Näs­se nicht nur nass war und ist, son­dern die­se Näs­se in Ver­bin­dung mit dem ton­hal­ti­gen Kalk und dem Moos-und Flech­ten­be­wuchs die Rei­bung in Rich­tung Schmier­sei­fe ver­än­dert, macht die Sache nicht bes­ser. Und das Gan­ze zum Kampf mit Ger­ampf.

Kamin­leid

Der Ken­ner mag zwar eine Ahnung davon ent­wi­ckeln, dass sich die­se Seil­län­ge im tro­cke­nen Zustand durch­aus auch halb­wegs genuss­reich klet­tern las­sen und dann die vor­han­de­ne Siche­rung mit Alt­wa­ren und eini­gen ein­ge­streu­ten Bolts als aus­rei­chend emp­fun­den wer­den könn­te. Die gege­be­ne und gefühl­te Rea­li­tät sieht lei­der anders aus und for­dert gehö­rig. Es hilft nix und irgend­wann bin ich oben, unter Voll­gas tran­spi­rie­rend und zuge­ge­be­ner­ma­ßen doch recht froh. Ers­tens dar­über, wohl­be­hal­ten oben ange­kom­men zu sein. Zwei­tens dar­über, dass die Schin­de­rei ein Ende hat und drit­tens dar­über, dass durch gerüt­tel­te Erfah­rung in grau­si­gem Gelän­ge unter­schied­lichs­ter Art ein Grund­ver­trau­en ent­steht, Alles kön­ne doch noch gut wer­den. Beim Nach­si­chern fängt es an zu tröp­feln. Kathi, die sich der­wei­len noch im Kamin nach oben stöhnt, kann das wurscht sein, denn schlim­mer wird es für sie dadurch auch nicht.

Schön, wenn der Schmerz nachlässt

Oben am Aus­stieg glück­lich ver­eint, reg­net es dann veri­ta­bel, hef­tig und durch­drin­gend. Immer­hin ver­ein­facht das die Ent­schei­dung, ob wir nicht doch noch ganz auf den Gip­fel wol­len bzw. nimmt sie uns aus der Hand. Nix wie run­ter heißt die Devise.

2 Pudel, begossen

Da ich nun mal kei­ne Unter­was­ser­ka­me­ra hab, wird der Foto fest ver­staut und raus­ge­holt hab ich ihn dann auch nicht mehr.
Der Abstieg ist etwas für Leu­te, die sich nicht leicht beir­ren las­sen. Denn er gestal­tet sich eher unüber­sicht­lich. Die ver­füg­ba­ren Infor­ma­tio­nen lie­fern nur Infos, die vor Ort wenig wei­ter­hel­fen, wenn man Genau­es von ihnen erwar­tet. In der Nach­schau und unter Ver­kür­zung der Bericht­erstat­tung über unge­fähr eine Stun­de sinn-und ergeb­nis­lo­sen Umher­ir­rens, erweist sich auf dem Wege der Sub­trak­ti­on die zual­ler­erst ange­steu­er­te Vari­an­te als doch die Rich­ti­ge. Am bes­ten folgt man also den unre­gel­mä­ßig errich­te­ten Stein­män­nern Rich­tung Osten (rechts im Sin­ne des Aus­stiegs). Mal run­ter, mal rauf, mal rüber und am Schluss in einen Sat­tel, wo ein doch grö­ße­rer Stein­mann aus etwas mas­si­ve­ren hell­gel­ben Blö­cken auf­ge­baut ist. Und da geht es ein­fach nach Süden run­ter, auch wenn man es erst nicht glaubt bzw. nicht glau­ben will. Steig­spu­ren kann man hin und wie­der erah­nen und man darf sich nur nicht ent­mu­ti­gen lassen.Wenn es mal zu unan­ge­nehm oder komisch wird, geht es meis­tens etwas seit­lich davon wie­der bes­ser. Irgend­wann wird man hof­fent­lich auf etwas sto­ßen, was die Bezeich­nung Abseil­stel­le verdient.
Bei die­sen ist durch­aus für Abwechs­lung gesorgt und ein ein­heit­li­ches Sche­ma lässt sich nicht erken­nen. Einen sol­chen Ver­hau und Durch­ein­an­der an Abseil­stel­len sieht man sel­ten. Da durf­te wirk­lich jeder mal ran, mit der frei­en Wahl der Mit­tel. Ersprö­de­te Schlin­gerl um Blö­cke, gewal­ti­ge Muni­rin­ge, Ring­nor­mal­ha­ken, Bolts mit oder ohne Mail­lot, allein oder zu zwein. Kraut und Rüben im Land der Eid­ge­nos­sen. Es gilt die Augen auf­zu­hal­ten und zu nut­zen, was da ist. Län­ger als 25 Meter schien uns kei­ne der Abseil­stel­len zu sein, oft sind sie deut­lich kür­zer. Man spart somit Zeit, wenn man nur einen Strick benutzt und bei die­sem idea­ler­wei­se eine mar­kier­te Seil­mit­te hat. Und den Wand­ab­bruch, bei dem man die vol­len 60m der bei­den Halb­sei­le gewinn­brin­gend aus­nut­zen kann, erkennt man wohl auch so. Wer kür­zer tre­ten muss, oder will, kann dort aber auch an einem Zwi­schen­mu­ni­ring unterbrechen.
Die Abstiegs­rin­ne hat dann doch noch ein Ende und über eine Schutt­rei­ße erreicht man Steig­spu­ren, die gra­sig nach rechts ver­folgt wer­den. Nach einem Fels­köp­fel soll­te man kurz auf­pas­sen, denn da muss man nach links abbie­gen und direkt hin­un­ter bis zum mar­kier­ten Weg stap­fen, auf dem es dann wie­der nach rechts Rich­tung Täl­li­hüt­te geht. Klatsch­nass errei­chen wir die­se und rich­ten uns schon auf ein Auf­wärm­bier mit Abend­essen ein, da wir irgend­wie nicht mehr damit rech­nen, dass die Seil­bahn noch in Betrieb ist. Ist sie aber doch und so spu­ten wir uns, dass da nichts anbrennt und die Knie durch einen Talhatsch einen unnö­ti­gen Schnack­ler ver­passt bekom­men. Am Auto ange­langt, wird aus nass schnell tro­cken gemacht und in der nächs­ten Moped­fah­rer­knei­pe Rich­tung Sus­ten­pass aus leer, etwas lang­sa­mer, voll. Auf allen Ebe­nen. Ehren­sa­che. Die nächt­li­chen Wol­ken­brü­che neh­men wir damit deut­lich gelas­se­ner zur Kennt­nis. Und die Heim­rei­se am nächs­ten Tag gestal­tet sich unter zu Hil­fe­nah­me von Köst­lich­kei­ten aus der Alp­kä­se­rei Stein­glet­scher von ganz allei­ne genussreich.